Folgender Zeitungsbericht war zu lesen:

am 6. Juni 1974 im Luzerner Tagblatt

Seewenalp wird Militärschiessplatz

-te- Nach hundertjährigem Besitztum durch die Familien Seeberger, Malters, ist das bekannte Wander- und Tourengebiet Seewenalp käuflich an den Bund übergegangen. Für die Sommersaison 1974 wird der Betrieb des Kurhauses Seewenalp durch die bisherigen Besitzer, Josef und Erna Seeberger-Krummenacher, noch aufrechterhalten.

Dem Wanderer und Berggänger, der seine Ausflugsziele möglichst abseits grosser touristischer Rummelplätze wählt, ist die Seewenalp an der Kantonsgrenze Obwalden/Luzern sehr wohl bekannt. Knapp an der Baumgrenze, durchsetzt von lichten Tannen und Föhrenbeständen, breitet sich die weite Mulde der Seewenalp zwischen den Höhenzügen des Fürsteins, Rickhubel und Seewenegg. Der Botaniker findet hier im Vorsommer eine prächtige Flora und an den Abhängen zum Fürstein breiten sich Felder von Alpenrosen. Der Skitourist schätzt im Winter die unberührten Schnee- hänge, die zu genussreichen Abfahrten einladen. Mit seiner Höhe von 2040 Metern gilt der Fürstein als einer der aussichtsreichsten Berge unserer Voralpen.

89 Jahre altes Kurhaus

Es verwundert daher kaum, dass zu Beginn der Blütezeit des Tourismus, im Jahre 1893, der damalige Besitzer der Seewenalp, Isidor Burkhard-Seeberger, das heute noch in Betrieb stehende Kurhaus erbaute und damit den Begriff des Höhenkurortes Seewenalp begründete. Das Berghaus steht auf 1717 Meter Höhe unmittelbar über dem lieblichen Bergsee. Die schmucke Kapelle, nahe dem Kurhaus liess 1936 Fräulein Marie Seeberger erbauen. Seither haben auf der Seewen regelmässig an Sonntagen Berggottesdienste für Touristen, Hotelgäste und die Aelpler aus der Nachbarschaft stattgefunden. Ueber Flühli zum Städeli, oder über Glaubenberg zum Parkplatz Schnabel, erreicht der Automobilist den Ausgangspunkt der Fusswege, die in zirka einer Stunde zur Seewenalp führen.

Kleine Chronik

Vor rund 100 Jahren erwirbt Eusebius Seeberger die Seewenalalp

1893 baut Isidor Burkhard-Seeberger das Kurhaus

1919 geht der Besitz an Niklaus Seeberger

1931 übernimmt Josef Seeberger-Meyer Kurhaus und Alp

1936 baut Fräulein Marie Seeberger die schmucke Bergkapelle

1966 bis zum Verkauf im Mai 1974 bewirtschaften Josef und Erna Seeberger-Krummenacher Kurhaus und mittlere Alp.

Die Seewenalp gehört zum Gemeindegebiet Sarnen und umfasst ein Gelände von 174 Hektaren.


Zukunft unsicher


Im vergangenen Mai sind die Verträge unterzeichnet worden, wonach die Seewenalp mitsamt Kurhaus und See aus dem Besitz der Familie Seeberger an den Bund übergegangen ist. Eine hundertjährige Familientradition hat damit ihren Abschluss gefunden. Tröstlich bleibt im Moment noch, dass die letzten Besitzer, Josef und Erna Seeberger-Krummenacher, sich bereitfinden, wenigstens noch für die Saison 1974 den Kurhausbatrieb aufrechtzuerhalten. Was für eine weitere Zukunft die zuständigen Instanzen mit der zum Militärschiessplatz gewordenen Seewen und seinem Kurhaus vorhaben, steht noch keineswegs fest. Ausser dem Gastbetrieb haben die Seebergers auf der Alp regelmässig 100 bis 120 Stück Jungvieh gesömmert!

Vom Bund eingekreist

Offensichtlich haben Josef Seeberger-Krummenacher und seine Gemahlin die Seewenalp nur an das Militär verkauft, weil ein solcher Entscheid sich aus Vernunftsgründen aufdrängte. Dazu muss man wissen, dass die 174 Hektaren umfassende Alp im Verlaufe der Jahre förmlich eingekreist wurde durch Landkäufe des Bundes, der im Gebiet Glaubenberg einen ausgedehnten Schiessplatz errichtet und ausgedehnt hat. Die Verhandlungen um den Erwerb der Seewenalp wurden durch die militärischen Instanzen vor rund sechseinhalb Jahren eingeleitet. Letztlich wurde gar mit der Möglichkeit einer Enteignung operiert. Die zunehmende Zahl der Schiessübungen hat aber auch dazu geführt, dass in vermehrtem Masse die Zugangswege zum Kurbaus aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden und die Besitzer des Kurhauses dann trotz schönem Wetter vergeblich auf Gäste warteten.
Alle Freunde des Fütsteinsgebietes bedauern naturgemäss diese Entwicklung auch bei vollem Verständnis für militärische Belange. Im Verlauf von Jahrzehnten haben sich zu den Besitzern der Seewenalp und des Kurhauses viele Bande der Freundschaft geknüpft. Es bleibt daher die Erwartung, dass die militärischen Kreise diese schützenswerten Landschaft so verwalten werden, dass dem Tourismus keine allzuschweren Einschränkungen gesetzt werden.



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