Seewenalp wird Militärschiessplatz
-te- Nach hundertjährigem Besitztum durch
die Familien Seeberger, Malters, ist das
bekannte Wander- und Tourengebiet Seewenalp käuflich an den Bund übergegangen. Für die Sommersaison 1974 wird der
Betrieb des Kurhauses Seewenalp durch die
bisherigen Besitzer, Josef und Erna Seeberger-Krummenacher, noch aufrechterhalten.
Dem Wanderer und Berggänger, der
seine Ausflugsziele möglichst abseits grosser touristischer Rummelplätze wählt, ist die Seewenalp an der Kantonsgrenze Obwalden/Luzern sehr wohl bekannt. Knapp
an der Baumgrenze, durchsetzt von lichten
Tannen und Föhrenbeständen, breitet sich
die weite Mulde der Seewenalp zwischen
den Höhenzügen des Fürsteins, Rickhubel
und Seewenegg. Der Botaniker findet hier
im Vorsommer eine prächtige Flora und
an den Abhängen zum Fürstein breiten
sich Felder von Alpenrosen. Der Skitourist
schätzt im Winter die unberührten Schnee-
hänge, die zu genussreichen Abfahrten einladen. Mit seiner Höhe von 2040 Metern
gilt der Fürstein als einer der aussichtsreichsten Berge unserer Voralpen.
89 Jahre altes Kurhaus
Es verwundert daher kaum, dass zu Beginn der Blütezeit des Tourismus, im Jahre
1893, der damalige Besitzer der Seewenalp,
Isidor Burkhard-Seeberger, das heute noch
in Betrieb stehende Kurhaus erbaute und
damit den Begriff des Höhenkurortes Seewenalp begründete. Das Berghaus steht auf
1717 Meter Höhe unmittelbar über dem lieblichen Bergsee. Die schmucke Kapelle,
nahe dem Kurhaus liess 1936 Fräulein
Marie Seeberger erbauen. Seither haben
auf der Seewen regelmässig an Sonntagen
Berggottesdienste für Touristen, Hotelgäste
und die Aelpler aus der Nachbarschaft
stattgefunden. Ueber Flühli zum Städeli,
oder über Glaubenberg zum Parkplatz
Schnabel, erreicht der Automobilist den
Ausgangspunkt der Fusswege, die in zirka
einer Stunde zur Seewenalp führen.
Kleine Chronik
Vor rund 100 Jahren erwirbt Eusebius Seeberger die Seewenalalp
1893 baut Isidor Burkhard-Seeberger
das Kurhaus
1919 geht der Besitz an Niklaus Seeberger
1931 übernimmt Josef Seeberger-Meyer Kurhaus und Alp
1936 baut Fräulein Marie Seeberger
die schmucke Bergkapelle
1966 bis zum Verkauf im Mai 1974
bewirtschaften Josef und Erna Seeberger-Krummenacher Kurhaus und
mittlere Alp.
Die Seewenalp gehört zum Gemeindegebiet Sarnen und umfasst ein Gelände von 174 Hektaren.
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Zukunft unsicher
Im vergangenen Mai sind die Verträge
unterzeichnet worden, wonach die Seewenalp mitsamt Kurhaus und See aus dem
Besitz der Familie Seeberger an den Bund übergegangen ist. Eine hundertjährige Familientradition hat damit ihren Abschluss gefunden. Tröstlich bleibt im Moment noch,
dass die letzten Besitzer, Josef und Erna
Seeberger-Krummenacher, sich bereitfinden, wenigstens noch für die Saison 1974
den Kurhausbatrieb aufrechtzuerhalten.
Was für eine weitere Zukunft die zuständigen Instanzen mit der zum Militärschiessplatz gewordenen Seewen und seinem Kurhaus vorhaben, steht noch keineswegs fest.
Ausser dem Gastbetrieb haben die Seebergers auf der Alp regelmässig 100 bis 120
Stück Jungvieh gesömmert!
Vom Bund eingekreist
Offensichtlich haben Josef Seeberger-Krummenacher und seine Gemahlin die
Seewenalp nur an das Militär verkauft,
weil ein solcher Entscheid sich aus Vernunftsgründen aufdrängte. Dazu muss man
wissen, dass die 174 Hektaren umfassende
Alp im Verlaufe der Jahre förmlich eingekreist wurde durch Landkäufe des Bundes,
der im Gebiet Glaubenberg einen ausgedehnten Schiessplatz errichtet und ausgedehnt hat. Die Verhandlungen um den Erwerb der Seewenalp wurden durch die militärischen Instanzen vor rund sechseinhalb Jahren eingeleitet. Letztlich wurde gar mit der Möglichkeit einer Enteignung operiert. Die zunehmende Zahl der Schiessübungen
hat aber auch dazu geführt, dass in vermehrtem Masse die Zugangswege zum
Kurbaus aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden und die Besitzer des Kurhauses dann trotz schönem Wetter vergeblich auf Gäste warteten.
Alle Freunde des Fütsteinsgebietes bedauern naturgemäss diese Entwicklung auch bei vollem Verständnis für militärische Belange. Im Verlauf von Jahrzehnten haben sich zu den Besitzern der Seewenalp und des Kurhauses viele Bande der
Freundschaft geknüpft. Es bleibt daher die
Erwartung, dass die militärischen Kreise
diese schützenswerten Landschaft so verwalten werden, dass dem Tourismus keine
allzuschweren Einschränkungen gesetzt
werden. |